Kaninchenzucht Martina Clemens

Hobbyzucht von NHD-Zwergwidder Kaninchen

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Kaninchenbabys – Geburt und Aufzucht


Frühlingsgefühle

Laut der allgemeinen Auffassung, dass sich Kaninchen vorzugsweise nur in den wärmeren Jahreszeiten fortpflanzen, kann ich das so nicht bestätigen. Eine Häsin sendet Gott sei Dank ziemlich eindeutige Signale, die anzeigen, ob sie hitzig und für eine Schwangerschaft bereit ist. Das hängt auch natürlich von den Wetterbedingungen ab. Kommen im Winter schöne sonnige Tage, so um die 10 Grad Celsius, geht's auch schon los! Junge Häsinnen haben einen Fortpflanzungszyklus von cirka sieben Tagen.

Geburt kleiner Kaninchenbabys

Gut zu wissen: Die Geschlechtsreife junger Kaninchen beginnt schon im 3. Monat und ehe man sich versieht – die Tragzeit beträgt zwischen 28 und 34 Tage –, ist es auch schon soweit. Kurz vor der Geburt wird das Nest, dass die trächtige Häsin bereits ein paar Tage vor der Geburt durch Ansammeln und Zerkleinern von Nistmaterial (Heu und Stroh) gebaut hat, mit Fell ausgepolstert. Dieses rupft die Häsin sich aus.

Nach der Geburt - die meistens in den frühen Morgenstunden stattfindet – nabelt die Häsin ihre Jungen ab, leckt sie sauber und frisst die Nachgeburt auf, um durch den Geruch, keine Feinde anzulocken. Die Kaninchenbabys sind bei der Geburt nackt, blind und taub.

Jetzt werden die Babys noch mit Fell und Stroh zudeckt und liegen so geschützt im warmen Nest. Dort herrscht eine Temperatur von schönen warmen 35 Grad Celsius. Denn die Kleinen brauchen ab jetzt viel Wärme!

Höhlenkinder

Bekommt die Kaninchen-Mama jedoch die Möglichkeit im Stall „zu buddeln“, wird sie das auch tun und ihre Jungtiere in einer Erdhöhle bekommen und auch dort versorgen. Eine „komplikationslose“ Kaninchengeburt dauert meist nur etwa 10 bis 15 Minuten.

Einmal habe ich es riskiert und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der Eingang zur Höhle war mit Blattwerk so verdeckt, dass ich den Eingang und die Niederkunft gar nicht bemerkt habe und jeden Tag darauf gewartet habe, dass es endlich los geht. Nur durch Zufall sah ich die Häsin kurz verschwinden. Gott sei Dank haben die Kaninchenbabys alle überlebt und fühlten sich pudelwohl.

 

Video-Aufnahme eines sechs Tage alten Wurfes

Hier habt ihr einmal die Möglichkeit in ein echtes kleines Kaninchennest hinein zu schauen. Die Kleinen sind zwar nicht ganz so davon begeistert aber der „Dreh“ dauerte auch nur sehr kurz.

Damit ihr mehr davon seht, klickt euch das Video auf maximale Bildschirmgröße. Mit der „esc-Taste“, kommt ihr wieder zur Webseite!

[ Filmgröße: 16,2MB / Filmlänge: 1:18min ]

Die Milch-Bar ist geöffnet

Die Babys werden nur zirka 1 - 2 x am Tag gesäugt. Sind die Kleinen gut genährt, erkennt man dies an dem sogenannten „Milchbauch“. Sehen die Jungen allerdings faltig aus kann das ein Zeichen dafür sein, dass die Mutter sich nicht genügend um sie kümmert oder sie zu wenig Milch hat. Kaninchenmilch ist „hochkonzentrierte Kraftnahrung“! Sie enthält 4 x soviel Eiweiß wie Kuhmilch, ist 5 x so fett und enthält 5 x soviel Kalzium! Das ist auch der Grund dafür, dass sich die Kleinen schnell und gut entwickeln, obwohl sie nur so wenig gesäugt werden!

Allerdings kann es auch passieren, dass eins der Babys aus dem Nest krabbelt, beziehungsweise aus dem Nest gezogen wird, wenn es nach dem Säugen noch an der Zitze der Mama hängt. Leider das Todesurteil für das Kleine, da es ohne die Nestwärme rasch auskühlt und erfriert.

Entwicklungsstufen von Kaninchen-Babys

Ab dem 4 - 5 Tag haben sich kurze, ganz dicht anliegende Haare gebildet und die spätere Fellfärbung ist erkennbar.

Ab dem 9 - 14 Tag öffnen sich die Augen und die Ohren. Die Kleinen haben nun flauschiges Baby-Fell und ganz besonders Mutige verlassen zum ersten Mal das Nest.

Ab der 3. Woche ist der Erkundungsdrang der Kleinen deutlich mehr vorhanden, sie verlassen nun öfters das Nest. Die Körperbeherrschung nimmt zu und sie beginnen, feste Nahrung aufzunehmen.

Ab der 4. - 5. Woche nimmt die Milchleistung der Mutterhäsin langsam ab, die Verdauung der Kleinen stellt sich langsam auf feste Nahrung um. Die „Heranwachsenden“ müssen nun viele Möglichkeiten zum Toben bekommen, damit sich Herz, Lunge und auch die Muskeln kräftigen können!

Ab der 6. Woche erfolgt die völlige Umstellung auf feste Nahrung. 

Ab der 7. bis 8. Woche sind die Kleinen völlig selbstständig und bereit, in ihr neues Zuhause zu ziehen.

Das Kuckucksei

Hin und wieder kann es auch schon einmal passieren, dass eine Kaninchen-Mama eines ihrer Jungtiere mangels Milch oder aus anderen Gründen nicht weiter versorgt. In diesem Fall habe ich schon mehrmals Glück gehabt, dass zur selben Zeit eine andere Mutter gerade bereit war, den kleinen „Fremdling“ mit zu versorgen. Das nenn' ich wahres soziales Verhalten!

Kaninchenbabys von Hand aufziehen

Sollte keine „Ersatz-Mama“ vorhanden sein, kann man sehr behutsam versuchen, dass Kaninchen-Baby von Hand aufzuziehen. Das ist aber sehr kompliziert, da die Ersatzmilch nicht die Qualität der Muttermilch besitzt. Erst durch einen Zusatz in der Muttermilch, erzeugt das Jungtier das sogenannte „Milchöl“. Das Milchöl ist eine Fettsäure die antimikrobiell wirkt und Mikroorganismen abtötet. Sie wird im Magen der kleinen Kaninchen gebildet. Fehlt der Zusatz der Muttermilch in der Ersatzmilch, kann das Jungtier später öfters unter Verdauungsbeschwerden leiden.

Damit sich trotzdem eine Magen-Darm-Bakterienflora entwickeln kann, sollte man dem Jungtier ab der dritten Woche, Kot-Kügelchen von der Mutter oder anderen Kaninchen, zu fressen geben.

Abbildung eines traurig dasitzenden Rammler
Das ist nicht fair...

Sehr wichtig: Den Rammler rechtzeitig von der Häsin trennen

Wenn man von einer Fortpflanzungszeit von cirka neun Monaten ausgeht, kann eine Kaninchenmama sechs Würfe und cirka 30 Jungtiere gebären.

Extrem wichtig!!! Häsinnen können bereits nach 12 Stunden wieder neu gedeckt werden. Deshalb solltet ihr, wenn ihr die Schwangerschaft bemerkt, den Rammler eine Woche vor dem geplanten Wurf, aus dem Käfig nehmen und separat setzen. So kann sich die Häsin in Ruhe auf die Geburt vorbereiten.

Dazu wird sie versuchen, eine gut geschützte Ecke zu finden und diese mit reichlich Haare – die sie sich zuvor ausgerissen hat – auszustopfen. Ab jetzt heißt es: warten! Und wenn alles geklappt hat, könnte ihr euch nach c 30 Tagen über Kaninchennachwuchs freuen.

Sonderfall Frühgeburt (FSK 16 Jahre)

Dadurch, dass die Häsinnen während des ganzen Sommers trächtig ist, kann es trotz der Versorgung des aktuellen Wurfs, zu einer Frühgeburt kommen. Dabei kann es passieren, dass vor dem eigentlich errechneten Termin, tote Jungtiere geboren werden. Diese werden direkt von der Mutter aufgefressen. Da Kaninchen nicht abortieren (= fehl gebären), werden keine unfertigen Jungtiere geboren. Kommt es während der Trächtigkeit zu Problemen oder Fehlentwicklung der Föten, werden diese von der Häsin absorbiert, also von Körper aufgesogen. Ein wohl einmaliger Vorgang in der Evolution der Tierwelt.

Fassen wir kurz zusammen:

  • Die Möglichkeit von Häsinnen zu gebären, ist das ganze Jahr gegeben
  • Die Tragzeit der Kaninchenmama beträgt zwischen 28 und 34 Tage
  • Kaninchen-Mamas können die ganze Schwangerschaft rückgängig machen! (bis zirka zur zweiten Woche)
  • Die Geburt von Kaninchen-Babys dauert nicht länger als 10-15 Minuten
  • Schlecht oder gar nicht versorgte Babys können von einer anderen Häsin – die gerade ihre eigenen Babys versorgt – so gerettet werden
  • Der Zeitraum von der Geburt bis zum Auszug aus dem Nest, beträgt zwischen sechs und acht Wochen
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